Liebe S.,
nur weil unsere Söhne befreundet und wir zufällig beide alleinerziehend sind, müssen wir noch lange nicht auf dieselbe Art leben.
Und ob Du es glaubst oder nicht, ich bin mit meinem Leben zufrieden und wollte es im Großen und Ganzen gar nicht anders haben. Ich bin nicht zufrieden, OBWOHL ich keinen Mann habe, sondern WEIL ich keinen Mann habe und mir keinerlei Beziehungsterz antun muss.
Ich bin auch nicht zu bedauern, weil ich im selben Haus wie meine Eltern wohne und nein, ich habe nicht darüber nachgedacht, mit meinem Sohn allein wohnen zu wollen. Aber jetzt, wo du es sagst, ist es natürlich eine echt reizvolle Idee, meine gemütliche Wohnung, die mir gehört und in der ich nach meinem Belieben schalten und walten kann, aufzugeben, dem Kind auch noch die Großeltern und mir die Möglichkeit, besagtes Kind kurzfristig gut unterzubringen, zu nehmen und stattdessen jemand Fremden monatlich sinnlos Geld in den Rachen zu stopfen... Doch, klingt total verführerisch.
Die Entscheidung, meinen Opa fünf Jahre lang bis zu seinem Tod mit zu pflegen, habe ich - kaum zu glauben, aber wahr- auch freiwillig getroffen; natürlich war es eine harte Zeit, das streite ich nicht ab. Aber weder ich noch mein Sohn haben einen Schaden davongetragen- es sei denn, es ist schädlich, zu erleben und, im Falle des Kindes, zu lernen, dass die ganze Welt eben nicht nur aus gesunden und jungen Menschen besteht.
Und ja, ich verbringe meine knapp bemessene Freizeit lieber mit einem Buch, meinem Schreibprogramm, vor einer Leinwand oder mit den Händen im Seifenwasser als damit, Männer aufzureissen, die doch nicht meinen Standards entsprechen und mich nach drei Tagen schon wieder zu Tode langweilen.
So lange ich mich damit wohlfühle, sollte doch alles gut sein, richtig?
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